Die 100-jährige Tradition in Nanzenbach ist mehr als Spaß, Fraß und Alkohol

Von Wolfgang Stein

2019 03 05 fastnachtsmaennchen 01NANZENBACH (red) – Den vielleicht weltweit einmaligen Brauch der Nanzenbacher „Fassenochtsmänncher“ ist vielen im Dorf als buntes Treiben bekannt, bei dem es auf der Straße und am Tagesende auch feucht fröhlich zugeht. Was einigen nicht bewusst ist: Das eingesammelte Geld wird nach Abzug aller Kosten zum Großteil für Einrichtungen im Dorf gespendet.

Was passiert da eigentlich, in dem ehemaligen Bergmannsdorf zwischen Dillenburg und Hirzenhain? Vor mehr als 100 Jahren, in der Hochzeit der heimischen Bergbautradition, wurden am Fastnachtsdienstag, dem freien Tag der Bergleute, die Lehrlinge in die Zunft eingeführt. Um 1930 verschwand der ursprüngliche, morgendliche Bergmannsgottesdienst. Fortan wurde der Tag mit Schmaus und wildem Treiben in den Wirtshäusern gefeiert. So hat es der Lokalhistoriker Uli Horch recherchiert. Nachzulesen auf nanzenbach.de

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren wurde die Tradition vermutlich nur noch unregelmäßig oder gar nicht mehr fortgeführt, bis zu den Anfängen der 1960er Jahre. Seit dem darf man als konfirmierter Nanzenbacher Junge mit durch das Dorf ziehen. Eine Altersgrenze gibt es nicht, sodass es heute noch Männer gibt, die auch mit Ende dreißig noch das eine oder andere Mal mitlaufen. Während die Fastnachtsmännchen durch das Dorf laufen, sammeln Sie bei Autofahrern und Fußgängern sowie in den Häusern
und Geschäften kleine Geldbeträge, Eier und Wurst ein. In diesem Jahr konnte man sich abermals steigern und 300 Eier sowie die stolze Summe von rund 1.000 Euro einsammeln. Hiervon werden die Verpflegung und Getränke der Mitlaufenden finanziert, aber auch eine Rücklage für die Reparatur und Anschaffung neuer Kostüme geschaffen. Den größten Teil allerdings spenden die Fastnachtsmännchen an die örtlichen Bildungseinrichtungen und Vereine. In diesem Jahr erhält der Kindergarten „Farbenfroh“ den größten Anteil, um das 30-jährige Jubiläum am 31. August zu feiern. Weitere Spenden gehen an die Freiwillige Feuerwehr für das Fest zum 120-jährigen
Bestehen am 15. und 16. Juni sowie an die Vogelschutzgruppe.

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Der Vogelschutzgruppe gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank. Die Männer um Küchenchef Harald Klabunde sind seit vielen Jahren zur Stelle, backen am Abend die Eierkuchen für die erschöpften Jungs und stellen das Vereinsheim für einen gemütlichen Ausklang zur Verfügung. Nicht vergessen werden darf die Freiwillige Feuerwehr, der Obstund Gartenbauverein sowie der Sportverein, in deren Räumlichkeiten sich die Fastnachtsmännchen zum Start treffen, umziehen oder die Kostüme einlagern.
Das Treiben der Fastnachtsmännchen hat sich mittlerweile auch bei den Kindern der Nachbardörfer herumgesprochen. Sie treffen sich mit ihren Freunden aus Nanzenbach um die Fastnachtsmännchen zu jagen und zu ärgern. Doch wer es zu bunt treibt, muss auch mal damit rechnen, dass er in eine Mülltonne gesteckt wird oder den Hintern versohlt bekommt.
Wer denkt, er hätte Jemanden erkannt, wird oft enttäuscht. Es gibt Familien, die den Männern Einlass gewähren, eine Zwischenmahlzeit und Getränke bereithalten. Der Dank dafür ist, dass die Masken, im wahrsten Sinne des Wortes, gelüftet werden. Dort tauscht man auch die Kostüme und Schuhe, um die Kinder zu verwirren. Selbst die, die Ihren Vater in einem Kostüm vermuten, liegen meist falsch. Auch am Gang kann man nicht jeden erkennen. So wurden auch in diesem Jahr wieder Männer an Orten
vermutet, an denen sie gar nicht eingeteilt waren.

Am 25. Februar 2020 ziehen die Fastnachtsmännchen wieder durch Nanzenbach

Am Dienstag, 25. Februar 2020 gehen die Fastnachtsmännchen wieder durchs Dorf. Ein Termin, den sich die ängstlichen Autofahrer, die mittags durch Nanzenbach
fahren, wieder im Kalender anstreichen werden. Aber auch alle Jungen, die in 2019 konfirmiert werden und dann mitlaufen möchten. Lasst uns die Tradition fortführen! Sie ist gelebte Geschichte und macht so manch alteingesessenen Nanzenbacher, eure Väter und Großväter stolz, wenn sie an ihre Zeit unter der Maske zurückdenken.